Die Ziele des Hamburger Pflegerates orientieren sich an den Standpunkten des Deutschen Pflegerates (DPR):      

* mit Kommentierungen durch den HHPR

 

Reform Pflegebildung

Der DPR fordert eine grundlegende Reform der Pflege- und Hebammenausbildung mit vertikaler und horizontaler Durchlässigkeit sowie automatischer Anerkennung innerhalb der EU (DIR 2005/36/EG). Es bedarf einer Zusammenführung der drei Pflegeberufe zu einem neuen generalistischen Beruf (mit Schwerpunktbildung) sowie der regelhaften Möglichkeit des Berufszugangs über primär qualifizierende Studiengänge. Diese Forderungen leiten sich von den veränderten und komplexeren Erfordernissen der Klienten ab.

 

 

Ausbildungskapazitäten/-finanzierung

Der DPR fordert die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten und die Sicherstellung einer auskömmlichen Ausbildungsfinanzierung. Der zukünftige Ausbildungsplatzbedarf im Berufsfeld Pflege wird vor dem Hintergrund des demographischen Wandels rasant steigen. Nur durch mehr und bessere Qualifizierung ist die Sicherung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung durch qualifizierte Pflegefachpersonen möglich

* In Hamburg werden im Jahr 2030 6426 Pflegekräfte (43%), in Bremen sogar 52% (3024), anteilig der VK in 2009, fehlen.

 

Gesundheitspersonalstatistik

Der DPR fordert eine Überarbeitung der bestehenden Gesundheitspersonalstatistik hin zu einer bundeseinheitlichen aussagekräftigen Statistik (stärkere Differenzierung Teilzeit, Zusatzqualifikation, Fluktuation, Altersaufbau, etc.), weil nur so eine dringend erforderliche gesundheitspolitische Planung (u.a. des Qualifizierungsbedarfes) möglich ist und damit die Gesundheitsversorgung auf Dauer gesichert wird.

* Die Ergebnisse einer aktuellen Befragung zeigt, dass nur 30% der Auszubildenden sich vorstellen können auf Dauer in dem Beruf zu bleiben.

 

Berufsgesetz

Der DPR fordert ein Pflegeberufsgesetz, in dem vorbehaltene Aufgabenbereiche für die professionelle Pflege festgeschrieben werden. Dies bildet die Grundlage für die interdisziplinäre Kooperation und zur Sicherung der Qualität. Zudem wird damit mittelbar eine Attraktivitätssteigerung des Berufes in der Gesellschaft erreicht. Der DPR fordert darüber hinaus die Errichtung von Pflegekammern in allen Bundesländern.

Was hilft die beste Berufsordnung wenn sie in der Schublade liegt? Es ist dringend notwendig, dass unsere Berufsordnungen kontrolliert werden.

 

Selbstverwaltung (Leistungsrecht)

Der DPR fordert die stimmberechtige Beteiligung der Berufsorganisationen der Pflege und des Hebammenwesens in der Selbstverwaltung im Leistungsrecht (z.B. G-BA). Dadurch würde ein Beitrag für die Qualität der Patientenversorgung geleistet

 

Chief Government Nurse im BMG

Der DPR fordert im Bundesministerium für Gesundheit – wie in vielen Staaten üblich - eine Stelle einer ‚Chief Government Nurse‘ (Pflegereferent/in mit pflegewissenschaftlicher Qualifikation) zu schaffen. Pflege im Kontext Krankheit und Pflegebedürftigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Deshalb muss eine entsprechende Position mit einer Person mit pflegewissenschaftlicher Berufsqualifikation und entsprechendem Auftrag im Ministerium vorhanden sein.

 

Schnittstellen zwischen den Sozialgesetzbüchern

Der DPR fordert eine bessere inhaltliche Abstimmung der Sozialgesetzbücher. Damit werden durch Zusammenführung gesetzlicher Regelungen die bestehenden Schnittstellen zwischen den sozialrechtlichen Regelungen effektiver als bisher überwunden. Die in der Praxis bestehenden Versorgungsdefizite an diesen Schnittstellen werden wirksam abgebaut und Anreizsysteme für die Vermeidung/Reduzierung von Pflegebedürftigkeit geschaffen.

* Die im Sozialgesetzbuch XI finanzierten Pflegestufen sollten auch im Krankenhaus finanzielle Leistungen triggern.

 

Umsetzung Pflegebedürftigkeitsbegriff

Der DPR fordert die Umsetzung des vorliegenden neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes in der Feststellung des Unterstützungsbedarfes bis hin zur Gestaltung der finanzierten Leistungen. Dabei sind die Prävention von Pflegebedürftigkeit und pflegerische Rehabilitation zu stärken

 

Gesundheit & Soziales

Der DPR fordert, die Zusammenhänge von Gesundheit und sozialen Faktoren stärker in den Blick zu nehmen. Entsprechende (pflegerische) Leistungen (z.B. Beratung und Patientenedukation, Kindergesundheit durch School Nurses, Ausbau ambulanter psychiatrischer Pflege) sind in den Leistungskatalog der GKV aufzunehmen und adäquat zu vergüten.                                                

Der Faktor Gesundheit muss wieder einen Wert in unserer Gesellschaft erfahren.

* Was hilft es, wenn unsere Handys den Puls messen und die Kalorien bestimmen, wenn aus den Informationen keine Konsequenzen gezogen werden. Statt an

   der Weiterentwicklung von Technik zu arbeiten, die Krankheit erkennt , soll die Gesundheitsförderung unterstützt werden 

 

Präventionsgesetz

Der DPR fordert auf Bundesebene ein umfassendes Präventionsgesetz. Gesundheitsförderung und Prävention würden Krankheitskosten senken und Eigenverantwortung der Menschen stärken. Eine besondere Bedeutung hat hierbei die Verringerung von gesundheitlicher Ungleichheit durch soziale Benachteiligung.

 

Personalbemessung und Finanzierung Personalkosten

Der DPR fordert die gesetzliche Festlegung einer verbindlichen Personalausstattung für die Pflege (Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege) und die Geburtshilfe (Hebammen). Diese ist durch eine aufwandsgerechte Vergütung der pflegerischen Versorgung durch einen Ausgleich im Finanzierungssystem abzusichern und damit attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen.

* Hier reicht es nicht nur von der Quantität zu sprechen, auch die Qualität muss beschrieben sein (Fachkräfteanteil). 

 

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Der DPR fordert die Sicherstellung einer gesundheitsschützenden und –fördernden Arbeitsumgebung für Pflegende durch Gesetz. Darüber soll erreicht werden, dass Pflegefachpersonen und Hebammen ihren Beruf gesund und bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters ausüben können.

 

Förderung Pflegeforschung

Der DPR fordert eine Ausweitung der Finanzierung von Pflegeforschung und pflegebezogener Versorgungsforschung sowie die Gründung eines Institutes für Pflegeepidemiologie mit öffentlichen Mitteln. Dazu ist es erforderlich, spezifische Förderprogramme zu schaffen, die auch zur Entwicklung des pflegewissenschaftlichen Nachwuchses beitragen.

*  Der Wissenschaftsrat fordert mindesten 10-20% Akademisierung der Pflege. Bei der heutigen Zahl der Studiengänge brauchen wir dafür 40 Jahre und bei dem  

   derzeitigen Stellenangebot für akademisch ausgebildete Pflegende werden wir das Ziel nie erreichen.

Stand 11.01.2016